Eine Depression ist mehr als „nur“ ein bisschen down

An manchen Tagen kommst du kaum aus dem Bett. Du switchst stundenlang zwischen Netflix und TikTok hin und her und kannst dich zu nichts anderes aufraffen. Rufen eine Freundin oder ein Kumpel an, gehst du nicht ran, weil dir jeder Kontakt zu viel ist. Vielleicht hetzt du auch von einer Aktivität zur nächsten, damit du nicht zum Nachdenken kommst. Dabei fühlst du dich seltsam leer und freudlos. Du fragst dich: Ist das eigentlich noch normal? Bin ich jetzt depressiv oder „nur“ ein bisschen traurig? Psychische Erkrankungen sind oft schwer zu erkennen. Unsere Informationen und eine Checkliste zu den Symptomen können dir dabei helfen.

 

Psychische Erkrankungen haben vielfältige Ursachen

Stimmungstiefs sind normal, jeder von uns hat sie zwischendurch. Mal zieht ein Beziehungskonflikt herunter, dann wieder ein Misserfolg im Job.  In der Regel verschwindet die Stimmungsschwankung mit der Zeit von allein, sobald wir uns ablenken, die Erfahrung verarbeiten und uns von lieben Menschen aufmuntern lassen. Eine Depression dagegen ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die sich stark auf das Denken, Fühlen und Handeln auswirkt.

Im Schnitt erkrankt jeder Fünfte in Deutschland mindestens ein Mal in seinem Leben an einer Depression. Eine Rolle spielen dabei der steigende Druck und Stress in der Gesellschaft. Bei vielen Patienten lassen sich die Ursachen für ihre Depression allerdings oft nicht eindeutig benennen. Meist ist es ein Mix aus verschiedenen Faktoren. Psychosoziale Aspekte wie Verlusterfahrungen oder traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit sind typisch, aber nicht zwingend.

 

Depression erkennen: Die Erkrankungen wird immer durch mehrere Faktoren ausgelöst

Viele Gründe für eine Depression liegen im Hier und Jetzt. Möglicherweise überfordert dich dein Alltag, ein bestimmtes Ereignis – wie der Jobverlust, die Trennung vom Partner oder eine Krankheitsdiagnose – oder du leidest unter Einsamkeit und diffusen Ängsten vor einer neuen Lebenssituation. Auch genetische Faktoren können verantwortlich sein: Studien zeigen, dass Depressionen in Familien vermehrt auftreten. Vielleicht sind bei Botenstoffe wie Noradrenalin oder Serotonin in deinem Gehirn durcheinandergeraten – schon bringen dich Erlebnisse ins Wanken, die du sonst schnell vergessen hättest.

Fakt ist: Eine Depression entsteht nicht durch einen Auslöser oder eine einzige Ursache. In der Regel geht die Erkrankung auf ein komplexes Zusammenspiel aus mehreren psychosozialen, neurobiologischen oder genetischen Faktoren zurück.

 

Männlich, weiblich, jung, alt: Eine Depression kann jeden treffen

Depressionen sind nicht wählerisch. Ganz gleich, welches Geschlecht, Alter oder welche soziale Schicht: Jeder kann depressiv werden. Frauen haben allerdings insgesamt ein höheres Risiko zu erkranken. Nach einer Geburt oder in den Wechseljahren sind sie besonders sensibel dafür. Dass Depressionen bei Frauen sichtbar häufiger diagnostiziert werden, liegt auch daran, dass Männer sich seltener Hilfe suchen. Viele wurden noch immer dazu erzogen, keine Schwäche zu zeigen – Stichwort „toxische Männlichkeit“, also stereotype Vorstellung von männlichen Rollen.

Obwohl Depressionen zur Volkskrankheit geworden sind, schämen sich immer noch viele Betroffene für ihr Leid und befürchten ein Stigma – oder sie halten ihre Erkrankung einfach nur für ein vorübergehendes Tief. Dabei ist es essenziell, dass die Erkrankung frühzeitig behandelt wird.

 

Anzeichen einer Depression: So unterscheidest du sie von einer schlechten Phase

Eine Depression hat viele Gesichter. Es gibt einige Anhaltspunkte, um sie zu erkennen: Viele Depressive fühlen gar nichts mehr, weder Freude noch Traurigkeit, und merken daran, dass etwas nicht mit ihnen stimmt. Oft kann ein Betroffener nicht einmal mehr weinen, um sich zu erleichtern.

Möglicherweise ist auch das Gegenteil der Fall: Der Betroffene weint viel, ist überdreht und fast hyperaktiv oder sogar aggressiv. Hinzu kommt vielleicht, dass man sich schlecht konzentrieren kann, nachts wach liegt oder extrem pessimistisch in die Zukunft blickt. Treten diese Symptome (häufig in Verbindung mit weiteren psychischen und körperlichen Leiden) seit mindestens zwei Wochen auf, ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Du bist dir unsicher, ob du depressiv bist oder nicht? Unsere Checkliste hilft dir, dein Befinden besser zu verstehen. Bitte beachte dabei, dass nur ein Arzt eine fundierte Diagnose stellen kann.

Psychische Erkrankungen beeinflussen auch deinen Körper

Obwohl eine Depression eine psychische Erkrankung ist, wirkt sie sich nicht nur auf deine Gedanken und Gefühle aus. Hinzu kommen häufig körperliche Beschwerden. Viele Patienten leiden unter Atemproblemen und Beklemmungen. Ihr Bauch schmerzt und ihnen ist ständig übel. Oft schlägt sich auch die innere Anspannung in Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen nieder.

Es gibt Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie eine Depression aufweisen. Dazu gehören Schilddrüsenstörungen, Mangelernährung oder eine Nebenniereninsuffizienz. Auch deswegen ist es wichtig, dass du deine Beschwerden mit einem Arzt abklärst. Ansprechpartner sind dein Hausarzt oder ein Facharzt für Psychiatrie.

 

Was Du selbst gegen eine Depression tun kannst? Dir möglichst bald Hilfe suchen.

Depressionen sind eine schwere Krankheit, vor der niemand absolut sicher ist. Die gute Nachricht: Depressionen lassen sich auf verschieden Wegen behandeln. Vertraue dich deinem Umfeld an (besonders, wenn du unter Suizid-Gedanken leidest), suche dir professionelle Hilfe und versuche, aktiv zu bleiben. Unterstützen kann dich dabei unser Mood Gym: Das Online-Programm in Kooperation mit der AOK zeigt dir, wie du negative Gedankenspiralen stoppst.

Du wirst deine Depression nicht innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen heilen können. Es reicht auch nicht, mehr zu lächeln oder regelmäßiger Sport zu treiben. Geh einen Schritt nach dem anderen – und sei dabei geduldig und liebevoll mit dir selbst.

 

Du befindest dich in einer akuten Krise und hast vielleicht sogar Suizid-Gedanken? Bitte wende dich umgehend an einen Arzt oder sprich mit der Telefon-Seelsorge (0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222)!