Tu was! Eine Depression verschwindet nicht allein

Du wachst morgens auf und fühlst dich zu erschöpft, um aufzustehen. Du triffst dich zu einem lustigen Event mit deinen Freunden, doch innerlich fühlst du dich leer. Solche Gefühle sind normal und sie gehören zum Leben dazu. Sie helfen uns unter anderem dabei, bestimmte Eindrücke oder Erfahrungen zu verarbeiten und unser Verhalten steuern. Bei dir geht das allerdings schon seit Wochen so? Niedergeschlagenheit, Antriebsmangel und Gefühllosigkeit über einen längeren Zeitraum sind meist klare Anzeichen einer Depression. Wurde bei dir die Erkrankung diagnostiziert, ist es wichtig, sie schnell zu behandeln. Hier erfährst du, welche Möglichkeiten es für dich gibt.

 

Depression: Die drei häufigsten Erkrankungsformen

Niemand ist vor einer Depression sicher – es kann jeden in allen Alters- und sozialen Schichten treffen, egal, ob Mann oder Frau. Wenn du den Kampf gegen deine Depression aufnimmst, sind dein Hausarzt oder ein Facharzt für Psychiatrie deine ersten Ansprechpartner. Sie diagnostizieren durch eine Anamnese deine Erkrankung und ihre Ausprägung. Das sind die drei häufigsten Formen:

  • Unipolare Depression: Bei dieser Form gibt es eine oder mehrere depressiven Episoden. Treten wiederkehrende depressive Phasen auf, nennt man dies eine rezidivierende unipolare Depression.
     
  • Bipolare Depression: Bei einermanisch-depressiven Erkrankung kommt es neben depressiven zu manischen Episoden, die meist mit extremer Fröhlichkeit, starkem Aktionismus, Ruhelosigkeit oder übertriebenem Optimismus einhergehen.
     
  • Dysthymie: Bei dieser Ausprägung sind die depressiven Symptome weniger stark, doch sie halten mindestens zwei Jahre an.

Depressionen heilen: Welche Therapieformen gibt es?

Je nach Schwere der Krankheit wird eine Depression meist mit einer Psychotherapie oder Antidepressiva behandelt – oder mit einer Kombination aus beidem. Die Kombinationstherapie wird besonders bei chronischen und wiederkehrenden Depressionen angewandt. In manchen Fällen empfiehlt sich ein stationärer Aufenthalt in einer Fachklinik. Dort wird in der Regel mit einer Therapie und Medikamenten behandelt.

Bei der ambulanten Therapie ist es wichtig, dass die Chemie zwischen dir und dem Therapeuten stimmt. Deswegen haben sowohl der Patient als auch der Therapeut das Recht auf Probetermine. Es ist in Ordnung, wenn du deinen Therapeuten wechselst, weil du dich bei ihm nicht wohlfühlst.

AGIDA übernimmt übrigens die Kosten für die Behandlung. Diese drei Formen der Psychotherapie haben sich als besonders wirkungsvoll etabliert:

  • Verhaltenstherapie: Gemeinsam mit deinem Therapeuten arbeitest du daran, deine aktuelle Situation zu verändern. Durch Gespräche entwickelt ihr Lösungsansätze und übt diese mit Alltagsaufgaben.
     
  • Analytische Psychotherapie: Du liegst ohne Blickkontakt zu deinem Therapeuten auf der Couch und erzählst ihm, was dich aktuell bewegt. Dein Gegenüber hört dabei in erster Linie zu. Das Ziel ist es, selbst Antworten zu finden, um deine Vergangenheit, innere Konflikte und Traumata aufzuarbeiten.
     
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Sie ist der analytischen Psychotherapie sehr ähnlich. Allerdings hast du dabei Blickkontakt zu deinem Therapeuten, der sich aktiv einbringt. Auch hier wird deine Vergangenheit beleuchtet. Gleichzeitig versucht ihr gemeinsam, die aktuellen Probleme zu lösen.

 

Antidepressiva: Medikamente gegen die Depression

Möglicherweise verschreibt dein Arzt dir ein Antidepressivum. Es beeinflusst Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin im Gehirn und kann bestehende Funktionsstörungen korrigieren. Symptome wie Antriebslosigkeit oder Antriebsmangel können abklingen, Alltagsaufgaben und -Probleme lassen sich wieder leichter bewältigen. Psychopharmaka sind meist gut verträglich und machen nicht abhängig.

Wichtig zu wissen: Medikamente schalten deine Beschwerden nicht sofort mit der Einnahme ab. Erst nach etwa drei bis vier Wochen merkst du, dass sich deine Stimmung verändert. Es ist wichtig, dass du das Medikament noch einige Monate oder unter Umständen sogar Jahre weiter nimmst. Beendest du die Einnahme zu früh, riskierst du einen Rückfall. Es gibt verschiedene Klassen von Antidepressiva mit verschiedenen Wirkungsweisen und unterschiedlichen Nebenwirkungen. Sprich zügig mit deinem Arzt, wenn du mit dem verordneten Medikament nicht glücklich bist. Möglicherweise musst du mehrere Präparate ausprobieren, bis eins bei dir richtig wirkt.

 

Warte nicht auf den passenden Moment – beginne jetzt mit deiner Heilung

Oft dauert es nicht nur einige Zeit, bis das Medikament anschlägt: Für einen Therapieplatz gibt es oft längere Wartezeiten. Du kannst jedoch schon jetzt damit anfangen, deine negativen Gedankenmuster zu durchbrechen: Moodgym, das Online-Selbstmanagementprogramm in Kooperation mit der AOK, unterstützt dich gerne dabei.

Auch andere Angebote fördern deinen Heilungsprozess. Vielleicht hilft dir der Austausch mit weiteren Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe. Adressen und Ansprechpartner bekommst du bei einer Selbsthilfekontaktstelle in deiner Nähe. Eine Entspannungs-, Ergo-, Bewegungs- oder künstlerische Therapie wirkt sich ebenfalls positiv aus. Hole auch deine Angehörigen mit ins Boot: Mit dem Familiencoach Depression erhalten sie Hilfe, um mit der Situation zurechtzukommen.

#selfcare für eine starke Seele

Ein gesunder Lebensstil verbessert dein Gefühl für dich und deine Bedürfnisse. Es reicht sicher nicht aus, um die Depression zu heilen, hilft dir aber, zurück ins Gleichgewicht zu kommen. Das kannst du selbst tun:

  • Mit gesunden Lebensmitteln und einer intuitiven Ernährung erhält dein Körper all die wichtigen Nährstoffe, die er braucht, um gesund zu werden und Glückshormone zu produzieren.
     
  • Sport stärkt dein Selbstwertgefühl. Tanzen hilft, deine innere Anspannung zu lindern. Bewegst du dich bei Tageslicht an der frischen Luft, setzt der Körper Serotonin frei, was dich glücklich macht.
     
  • Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen helfen, die positiven Dinge im Leben wahrzunehmen. Mach es dir zur Abendroutine, täglich zu meditieren oder lege eine leichte Yoga-Sequenz ein.
     
  • Aktivitäten wie ein spannendes Hobby stärken deine Achtsamkeit, deine Konzentration und dein Selbstwertgefühl. Wie wäre es, wenn du dich in einem Bullet Journal kreativ austobst und gleichzeitig deine Gedanken ordnest?
     
  • Logg dich aus: Dein Smartphone kann deine Psyche negativ beeinflussen. Befreie dich mit Digital Detox vom Social Media-Stress. Dabei bekämpfst du deine Angst, etwas zu verpassen – und merkst, wie schön es ist, einfach mal nichts zu tun.

Eine Depression nimmt dir oft deine Freude, deine Kraft und deinen optimistischen Blick auf die Zukunft. Doch du kannst sie besiegen. Manchmal dauert es Jahre, und du erlebst eventuell einige Rückschläge. Doch wenn du erkennst, dass du Hilfe brauchst, hast du den ersten wichtigen Schritt gemacht.

Du befindest dich in einer akuten Krise und hast vielleicht sogar Suizid-Gedanken? Bitte wende dich umgehend an einen Arzt oder sprich mit der Telefon-Seelsorge (0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222)!