Gender Identity umfasst weit mehr als „Mann“ und „Frau“

Lange Zeit galt es als gesetzt: Es gibt Männer und es gibt Frauen. Doch diese Auffassung bröckelt. Wir wissen heute, dass Geschlecht ein ganzes Spektrum umfasst – sowohl was die körperliche Ausprägung betrifft als auch die gefühlte Genderidentität. Seit Ende 2018 ist es sogar Gesetz: Es gibt mehr als zwei Geschlechter. Im AGIDA-Check geben wir dir eine Übersicht über die verschiedenen Varianten. Und wir erklären dir, warum eine tolerante Gesellschaft uns allen nützt.

 

Penis oder Vulva sagen wenig über ein Geschlecht aus

Geschlechter wurden lange heteronormativ betrachtet. Das bedeutete: Wer einen Penis hat, ist ein Mann und steht auf Frauen. Wer eine Vulva hat, ist eine Frau und steht auf Männer. Diese Vorstellung ist überholt. Andere sexuelle Vorlieben und auch andere Geschlechtsvarianten und -identitäten gab es schon immer. Sie wurden nur lange von unserer Gesellschaft ignoriert.

 

Es gibt viele verschiedene Geschlechtsidentitäten. Ein paar Beispiele:
 
  • Cisgeschlechtlich: Cis Männer und Frauen sind Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde.
     
  • Inter*: Intergeschlechtlich sind Menschen, deren Genitalien sich nicht eindeutig als nur männlich oder weiblich einordnen lassen. So kann es sein, dass eine sehr große Klitoris für einen Penis gehalten wird oder andersrum. Manchmal ist die Intergeschlechtlichkeit auch gar nicht von außen zu erkennen: Eine Person mit einer Vulva kann den männlichen XY-Chromosomensatz besitzen. Manche Menschen mit Penis haben Eierstöcke oder weibliche Sexualhormone. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa zehn bis zwanzig intergeschlechtliche Kinder geboren.
  • Trans*: Dass ein Penis keinen Mann macht, zeigen transgeschlechtliche Menschen. Diese identifizieren sich nicht mit dem Geschlecht, das ihre Genitalien „vorzugeben“ scheinen.
     
  • Nicht-binär (non-binary): Diese Bezeichnung umfasst verschiedene Geschlechtsidentitäten und sagt vereinfacht aus, dass eine Person sich weder als Mann noch als Frau fühlt oder eine Zuordnung ablehnt. Bei manchen Menschen variiert dieses Gefühl im Laufe ihres Lebens (genderfluid), andere fühlen sich verschiedenen Geschlechtern (polygender) oder keinem (agender) zugehörig.
     

Egal, mit welchem Geschlecht sich ein Mensch identifiziert – die Gender Identity sagt nichts über die sexuellen Vorlieben aus. Inter* und trans* Personen können genauso hetero- oder homosexuell sein oder eine andere sexuelle Orientierung haben wie cis Menschen.

Verhalten ist eine Frage des Charakters, nicht der Geschlechterrolle

Woran erkennst du, welcher Geschlechtsidentität sich jemand zugehörig fühlt? Die Antwort ist: gar nicht. Beziehungsweise nur, indem du die Person fragst. Über den Geschlechtsausdruck, also die Art, wie jemand seine Gender Identity präsentiert, kursieren immer noch viele Vorurteile. Eigentlich hat längst jeder die freie Wahl, welche Kleidung er trägt oder welchen Beruf er wählt. Dennoch gibt es in vielen Köpfen weiterhin klare Vorstellungen darüber, was einen „echten Mann“ oder eine „wahre Frau“ ausmacht. Das fängt schon bei Babys an: Mädchen werden mit Schleifen dekoriert, Jungs wird die Puppe als Spielzeug verwehrt. Von kleinen Jungen wird angenommen, dass sie wild sind. Auf Mädchen-Shirts prangen Begriffe wie „süß”, „Prinzessin” oder „Zicke”.

 

Menschen mit einer selteneren Geschlechtsvariante werden häufig diskriminiert, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Aber auch Cisgender sind von Ausgrenzung und Diskriminierung bedroht, wenn sie nicht dem gesellschaftlichen Bild entsprechen. Eine Automechanikerin mit kurz rasiertem Haar? Gilt vielen als „unweiblich“. Ein Krankenpfleger, der Röcke und Nagellack mag, muss sich dagegen ständig Mutmaßungen über seine Sexualität stellen. 

 

Geschlechterstereotypen machen krank und schränken unsere Gesellschaft ein

Der Druck und die Ablehnung, die viele Menschen aufgrund ihres Geschlechtsausdrucks oder ihrer Geschlechtsidentität ertragen müssen, richten enormen Schaden an. Sie erzeugen Stress, Selbstzweifel oder sogar Depressionen. Wer Diskriminierung erfährt, hat häufig ein verzerrtes Selbstbild und unrealistische Körperideale. Auch unser gesellschaftliches Miteinander leidet unter den Geschlechterklischees:

  • Frauen, die mit typisch weiblichen Stereotypen konfrontiert werden, fühlen sich stark verunsichert und haben größere Selbstzweifel. Studien zeigten, dass ihre Leistung signifikant sinkt, im Vergleich zu Frauen, die keinen solchen Bildern ausgesetzt waren. Außerdem haben sie es immer noch schwer, in bestimmten Berufszweigen Karriere zu machen.
     
  • Toxische Männlichkeit ist ein weitgreifendes Problem: Von Männern wird oft erwartet, dass sie stark und dominant auftreten. Um ihre Männlichkeit zu beweisen, verhalten sie sich daher häufiger aggressiv als Frauen. Ein „männlicher“ Mann nimmt weniger Elternzeit und ist seltener in sozialen Berufen anzutreffen. Ein traditionelles Rollenverständnis schadet ihrer Gesundheit: Männer gehen seltener zum Arzt und lernen schon früh, ihre Emotionen zu unterdrücken, anstatt sich ihnen zu stellen. Das macht sie anfällig für psychische Erkrankungen.

 

Wie durchbrechen wir diese Stereotypen? Das braucht noch viel Aufklärungsarbeit. Erlaube dir und anderen, zu sein, wer ihr seid. Akzeptiere Körper, wie sie sind und konzentriere dich auf die inneren Werte. Damit verminderst du das Risiko von psychischen Erkrankungen bei dir und deinen Mitmenschen. Und du hilfst, die Türen für eine tolerante und vielfältige Gesellschaft zu öffnen.

 

Leb deine Geschlechtsidentität – mit fairem Style und guter Gesundheit

Wie du aussehen willst, entscheidest allein du. Drück deinen persönlichen Stil aus – aber fair! Kleidest du dich nachhaltig, bist du nicht nur top gestylt, du unterstützt auch das Klima.

 

Du fühlst dich noch unsicher in deiner Geschlechtsidentität oder die Reaktionen deines Umfelds belasten dich? Das AOK moodgym steht dir dabei zur Seite, mit einer Depression umzugehen. Der AOK Familiencoach hilft deinen Angehörigen, dich besser zu verstehen.

 

Du befindest dich in einer akuten Krise und hast vielleicht sogar Suizid-Gedanken? Bitte wende dich umgehend an einen Arzt oder sprich mit der Telefon-Seelsorge (0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222)!

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