Traditionsmedizin mit Trend-Potential

Schuhe ausziehen, Hose hochkrempeln, eine Runde Wassertreten. An vielen Orten findest du das bekannte Kneippbecken, in dem du im Kreis durchs kalte Wasser stapfst. Kneippen klingt vielleicht old school, ist aber immer noch aktuell. Denn zu der Traditionsmedizin gehört weit mehr als nur Wasserplanschen. Du lernst, deinen Lebensstil zu überdenken und stärkst deinen Körper mit einer angepassten Ernährung. Zusätzlich tun dir Kneipp-Anwendungen rundum gut – sind einfach anzuwenden und kostengünstig. Wir zeigen dir, wie es geht und worauf du achten musst.

 

Kneipp: 170 Jahre alt und kein bisschen angestaubt

Sebastian Kneipp entwickelte rund 120 Anwendungen, die vor allem darauf zielen, den Körper mit warmem und kaltem Wasser auf unterschiedliche Weise zu stärken. Dazu zählen unter anderem Waschungen, Güsse, Wickel, Bäder für Füße oder Arme, Wassertreten, Wechselbäder und Bürstenmassagen. Die Methoden sind weit mehr als ein medizinisches Verfahren. Es handelt sich um eine Lebensphilosophie, die Körper und Geist auf sanfte Weise ganzheitlich stärken soll. Das macht seine Lehren immer noch aktuell. Medizinisch ist das nicht eindeutig bewiesen – Studien zeigten dennoch positive Effekte.

 

Von Wassertreten bis Wechseldusche

Denkst du an Kneipp, denkst du an Wasser. Tatsächlich dreht sich viel um die heilenden Kräfte des nassen Elements. Die Lehre besagt, dass die Temperatur des Wassers körperliche Reize auslöst. Das soll den Kreislauf anregen, die Durchblutung fördern, das vegetative Nervensystem unterstützen und schlussendlich die Abwehrkräfte stärken.
 

So funktioniert kneippen:
  • Wassertreten – im Storchengang durch kühles knietiefes Wasser laufen
  • Wechselduschen und kalte Güsse
  • Ansteigende Bäder – das heißt, du startest mit lauwarmem Wasser und füllst nach und nach heißes Wasser nach
  • Kalte Fuß- oder Armbäder
  • Je nach Symptomen kühlende oder auch wärmende Wickel um Waden, Arme, Hals oder Brust
     

Kneipp wollte, dass du dich wohlfühlst. Aus seiner Sicht schaden dir zu starke Reize. Die meisten Anwendungen machst du daher mit kühlem, nicht eiskaltem Wasser beziehungsweise ohne große Hitze. Falls es doch mal eisig werden soll, dann führe den Reiz nur wenige Sekunden durch. In der Regel dauert eine Anwendung etwa zwanzig Minuten.
 

 Außerdem gilt:
  • Führe kalte Duschen oder Güsse nur für wenige Sekunden auf warmer Haut aus.
  • Wärme dich danach auf – mit warmem Wasser, durch Bewegung oder unter einer kuscheligen Decke.
  • Bei heißen Anwendungen kann dir schwindelig werden. Führe sie vorsichtig durch, wenn du unter Kreislauf-Problemen leidest.
     
Bei diesen Beschwerden tut Kneipps Wasserkur gut:
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Stress und Erschöpfung
  • Psychosomatische Störungen
  • Diabetes
  • Verdauungsprobleme wie Sodbrennen oder Reizdarm
  • Allergien
  • Gelenkschmerzen
  • Hormonelle Probleme wie Menstruationsbeschwerden

 

Stärkung für Körper und Seele: Bewegung und inneres Gleichgewicht

Ein aktives Leben stärkt den Kreislauf, den Stoffwechsel, die Muskulatur und das Immunsystem – das wusste schon Kneipp. Daher ermutigte er seine Anhänger, sich regelmäßig moderat zu bewegen. Nach dem Motto: Lieber jeden Tag gemütlich joggen, Radfahren oder walken, anstatt dich einmal die Woche total auszupowern.

Kneipp hat erkannt, dass Körper, Geist und Seele in Balance der Schlüssel zur Gesundheit sind. Damit war er seiner Zeit weit voraus. Seine Lehren nennen sich „Lebensordnung“ – du kennst sie eher unter dem Begriff „Achtsamkeit“. Sprich: Wer langfristig gesund bleiben will, sollte Stressfaktoren reduzieren und sein inneres Gleichgewicht finden. Yoga, autogenes Training oder entspannende Bürstenmassagen gehören damit zu deiner Kneippkur.

 

Kneipps ganzheitliches Gesundheitskonzept: Gesunde Ernährung und Pflanzenheilkunde

Gönn auch deiner Verdauung ein wenig Entspannung: Kneipp ermutigt dich zu gesundem und maßvollem Essen. Dazu gehört eine ausgewogene pflanzenbasierte Ernährung mit viel Obst und Gemüse und möglichst wenig Fleisch, dafür aber gerne ab und zu Fisch. Du musst keine asketische Diät halten – intuitives Essen ist das Stichwort. Dazu trinkst du viel Wasser oder ungesüßten Tee – auch hier spielt Wasser als Träger von Heilmitteln eine wichtige Rolle.

 

Nutze die natürlichen Wirkstoffe von Heilpflanzen für dich. Fenchel schmeckt lecker im Salat und tut der Verdauung gut. Zitronenmelisse peppt deine Fischgerichte auf und beruhigt die Nerven. Goldene Milch mit Kurkuma boostet deine Abwehrkräfte. Heilkräuter setzt du in deiner Kneippkur in Tees, als Badezusatz, in Kompressen oder beim Inhalieren ein.

 

Kneipp-Anwendungen: Im Urlaub, im Verein oder zu Hause

Du hast Lust, auf einer Kneippkur neue Energie zu tanken? Mit dem nötigen Kleingeld tauchst du für drei bis vier Wochen auf einer anerkannten Medical-Wellness-Reise in die ganzheitliche Lebensphilosophie ein. Auch in deiner Nähe findest du sicher ein Kneipp-Heilbad oder eine Kneipp-Anlage. An vielen Orten gibt es Kneipp-Vereine, bei denen du lernst, dich mit allen Sinnen zu erden. Du kannst natürlich auch allein zu Hause kneippen.

 

Langfristige Lebensphilosophie statt kurzem Immun-Boost

Vier Wochen Kneippkur tun gut– sie helfen dir aktiv deine Gesundheit zu verbessen. Lass es danach langsam angehen und nimm dir Zeit, um deinen Lebensstil neu zu überdenken. Etabliere Wechselduschen als healthy Habit und schule mit einem Achtsamkeitstagebuch dein inneres Gleichgewicht. Du bist dennoch überwältigt von Stress? Falls Kneipp nicht weiterhilft, helfen wir: Mit unserem Programm „Stress im Griff“ meisterst du den Alltag wieder mit mehr Gelassenheit.