Im Trend: Hafer, Soja und Co

Ein Glas Kuhmilch pro Tag macht munter und stärkt die Knochen – solche Slogans gehören vielleicht bald der Vergangenheit an. Denn: Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zur Kuhmilch. Sie ernähren sich vegan, vertragen Laktose nicht oder möchten einfach nachhaltiger leben. Deshalb kommen kontinuierlich weitere pflanzliche Alternativen auf den Markt. Damit du bei der Auswahl nicht den Überblick verlierst, haben wir den AGIDA-Check gemacht: Welche Produkte gibt es, wie nachhaltig sind diese und welche Milchalternative bringt die meisten Nährstoffe mit?

 

Gute Gründe für Milchalternativen

Es gibt einige Gründe, um der Kuhmilch au revoir zu sagen:

  • Verträglichkeit: In Europa sind ca. 30 Prozent aller Menschen laktoseintolerant. Ihr Körper produziert keine Laktase – so heißt das Enzym, das die Laktose aus der Kuhmilch normalerweise abbaut. Ohne Laktase bekommen sie Bauchschmerzen und Blähungen. Wenige Menschen – etwa ein Prozent – sind sogar allergisch auf Laktose. Wenn sie Milch trinken, können sie Atemnot bekommen.
     
  • Tierschutz: Milchkühe leben meist in enger Massentierhaltung und getrennt von ihren Kälbern. Um das zu verhindern, verzichten manche Menschen ganz oder teilweise auf Milchprodukte.
     
  • Nachhaltigkeit: Kühe setzen große Mengen Methan frei – ein Treibhausgas, das schädlich für unser Klima ist. Einen Liter Kuhmilch produzieren: Das ist so belastend für die Umwelt, wie einen Liter Benzin zu verbrennen.

 

Ganz schön verwirrend: Pflanzenmilch oder Pflanzendrink

Wenn du im Geschäft nach Milchalternativen suchst, wirst du weder Soja- noch Hafermilch finden. Die pflanzlichen Getränke heißen stattdessen „Sojadrink” oder „Haferdrink”. Das liegt am Milch- und Margarinegesetz. Das schreibt vor: Das Wort „Milch” darf nur für Produkte benutzt werden, die durch das Melken eines Euters gewonnen werden.

 

Welche Milchalternativen gibt es – und wie unterscheiden sie sich?

 

  • Sojadrink – der Umstrittene

Nährstoffgehalt: Proteine, Folsäuren, Vitamine und gesunde ungesättigte Fettsäuren stecken drin – dafür wenig Fett und Cholesterin.

Kritikpunkt: Soja enthält Isoflavone. Diese wurden mit Schilddrüsenerkrankungen und sogar Krebs in Verbindung gebracht. Laut der Albert-Schweizer-Stiftung sind gewöhnliche Mengen an Sojaprodukten aber unbedenklich.

Ökobilanz: Für die Sojaproduktion werden Regenwälder in Brasilien gerodet – dafür wird der Sojadrink immer wieder kritisiert. Die meisten Sojadrink-Hersteller benutzen aber Sojabohnen aus Europa – das steht dann auf der Verpackung. Soja ist nicht sehr nachhaltig: Der Energieverbrauch in der Sojadrink-Herstellung ist fast genauso hoch wie bei Kuhmilch.

Geschmack: Sojadrink schmeckt nussig und nicht sehr süß.

 

  • Reisdrink – der Süße

Nährstoffgehalt: Diese Variante enthält nur wenige Nährstoffe, denn die gehen während der Produktion verloren.

Pluspunkt: Für Allergiker ist Reisdrink oft eine gute Milchalternative, weil sie wenig Allergene enthält.

Ökobilanz: Die Produktion verbraucht viel Wasser, die Transportwege sind lang und viele Arbeiter werden in den asiatischen Ländern nicht gut bezahlt – nicht sehr nachhaltig.

Geschmack: Reisdrink schmeckt sehr süß und ist recht wässrig.

 

  • Haferdrink – der Vernünftige

Nährstoffgehalt: Haferdrink ist gut für deinen Stoffwechsel, weil er mit vielen Ballaststoffen punktet. Außerdem sind ungesättigte Fettsäuren und Kalzium drin.

Kritikpunkt: Im Hafer steckt zwar kein Gluten – wer darauf sensibel reagiert, sollte aber dennoch vorsichtig sein. Denn glutenhaltige Getreidearten, die in seiner Nähe wachsen, können nämlich Spuren im Hafer hinterlassen.

Ökobilanz: Die Transportwege sind kurz, denn Hafer wächst in Europa. Die Pflanzen brauchen wenig Wasser und die Drink-Produktion verbraucht 40 Prozent weniger Energie als die Kuhmilch-Herstellung.

Geschmack: Haferdrink schmeckt leicht süß und nach Getreide.

 

  • Mandeldrink – der Nussige

Nährstoffgehalt: Könnte besser sein – der Mandeldrink enthält fast kein Eiweiß.

Pluspunkt: Sie enthält wenige Reizstoffe und ist damit für Menschen mit einem empfindlichen Magen oder Allergien gut geeignet.

Ökobilanz: Mandeln werden in heißen, trockenen Gegenden angebaut und verbrauchen riesige Mengen an Wasser. Auf den Plantagen werden außerdem Bienen verteilt, die die Bäume bestäuben. Sie sind dabei großem Stress ausgesetzt, werden krank und sterben.

Geschmack: Mandeldrink ist besonders cremig. Sie schmeckt nussig und süß.

 

  • Erbsendrink – der Proteinhaltige

Nährstoffgehalt: Der Drink aus gelben Erbsen hat von Natur aus viel Eiweiß. Einige Hersteller fügen ihm Rapsöl hinzu, so kommen gesunde Omega-3-Fettsäuren ins Getränk.

Pluspunkt: Wenn du ungezuckerte Versionen kaufst, ist er kohlenhydratfrei.

Ökobilanz: Die Erbsen werden meist in Europa angebaut, so sind die Wege zur Produktion und in den Supermarkt kurz. Sie brauchen wenig Wasser und wenig Energie.

Geschmack: Die ungesüßte Erbsenmilch schmeckt etwas herb.

 

  • Lupinendrink – der Ökologische

Nährstoffgehalt: Die Samen der Süßlupine enthalten mehr als 40 Prozent Eiweiß. Sie hat viele wichtige Aminosäuren und versorgt dich mit Magnesium, Eisen und Kalzium.

Pluspunkt: Für Allergiker ist der Drink gut geeignet.

Ökobilanz: Bei der Lupine überzeugen die kurzen Wege. Sie wird in Deutschland angebaut und verarbeitet. Dabei verbraucht die Produktion wenig Wasser und Energie. Lupinen binden außerdem Stickstoff, so verbessern die Pflanzen Ackerböden.

Geschmack: Die Lupine hat sehr wenig Eigengeschmack.

 

  • Dinkeldrink – der Genügsame

Nährstoffgehalt: Dinkeldrink ist reich an Kohlenhydraten und Aminosäuren – viel Protein enthält diese Variante aber nicht.

Kritikpunkt: Dinkel enthält viel Gluten, deswegen ist der Drink für Menschen mit Zöliakie ungesund.

Ökobilanz: Es wird in Deutschland angebaut, so sind die Transportwege kurz und auch der Wasser- und Energiebedarf ist niedrig.

Geschmack: Dinkeldrink schmeckt etwas mehlig.

 

  • Kokosmilch – die Cremige

Nährstoffgehalt: In Kokosmilch stecken viele wichtige Vitamine und Mineralstoffe, zum Beispiel Kalium, Natrium oder Magnesium.

Kritikpunkt: Sie enthält allerdings auch gesättigte Fettsäuren, von denen wir nicht zu viele zu uns nehmen sollten.

Ökobilanz: Die Transportwege sind lang. Kokosnüsse werden in Monokulturen produziert, das fördert das Artensterben – wie auch beim Mandeldrink.

Geschmack: Kokosmilch ist leicht nussig und sehr cremig.

 

Milchalternativen: Eines fehlt allen

Ein Nährstoff kommt in keiner Alternative zur Kuhmilch vor: B12. Das ist ein Vitamin, das in Kuhmilch enthalten ist und das Veganern oft nicht zur Genüge bekommen. Manche Pflanzendrink-Hersteller fügen ihren Produkten künstliches B12 zu. Bei Bio-Produkten ist das allerdings nicht erlaubt. Nicht jede Alternative ist gesünder als das Original: Sie bringen dir unterschiedliche und unterschiedlich viele Nährstoffe – unser Check bietet dir einen guten Überblick für deine Wahl. 

Pflanzendrink: So machst du selbst einen!

Du hast einen starker Standmixer zu Hause – aber keinen Pflanzendrink zur Hand? Selbst wenn deine Kaffeegäste schon an der Tür stehen: Mit unserem Rezept zauberst du blitzschnell deinen eigenen Milchersatz:

  • Mixe 100 Gramm zarte Haferflocken mit einem Liter kaltem Wasser auf der höchsten Stufe des Mixers. Dabei soll sich die Maschine nicht erwärmen. Mit einem guten Gerät geht’s in 40 Sekunden. Dauert es viel länger oder erhitzt sich das Wasser, wird dein Haferdrink zu Haferschleim.
     
  • Wenn die Haferflocken fein püriert sind, schüttest du alles durch ein sauberes Geschirrtuch in eine Schüssel. Einmal auswringen und dein Milchersatz ist fertig!

Im Haferdrink aus dem Supermarkt sind Enzyme, die Kohlenhydrate in Zucker spalten. Deswegen schmeckt er süßlich. Wenn du auch etwas Süße möchtest, füg beim Mixen ein paar getrocknete Datteln hinzu.

 

Alternativ leben: Mit Fleischersatz und nachhaltigem Lifestyle

Du willst auf weitere tierische Produkte verzichten? Dann teste doch mal Fleischersatz. Für mehr Nachhaltigkeit in deinem Lifestyle empfehlen wird dir unsere Artikel zu Zero Waste und Clean Shopping.

Gar nicht mal so leicht zu finden: Ernährung, die gut für dich und den Planeten ist. Deswegen bieten wir dir zwei Kurse an. Im AOK-Kurs Future-Meal lernst du, wie du als Konsument die gesündesten und nachhaltigsten Entscheidungen triffst. Und um eine Ernährung, die gesund ist und genau zu dir und deinen Wünschen passt, geht’s im Flexifood-Kurs!

Wusstest du schon …

AGIDA ist ein Angebot der AOK Hessen. Lust auf mehr? Hier findest du weitere spannende Inhalte rund um gesunde Ernährung und passende Leistungen deiner AOK Hessen: